Volle Kraft voraus
Veröffentlicht am 15. Sep, 2010 von CTM-Redaktion in Allgemein, Investments
Die Stromproduktion aus Sonnenenergie wächst in großen Schritten. Solarfonds sind trotzdem keine Selbstgänger
In 140 Tagen um die Welt – 2011 will Raphael Domjan seinen langjährigen Traum verwirklichen und nur von Sonnenkraft getrieben mit seinem Solarboot die Weltmeere überqueren. Im Mai präsentierte der Schweizer Abenteurer auf dem Hamburger Hafengeburtstag seine Planetsolar: ein 30 Meter langer und 16 Meter breiter Katamaran, auf 500 Quadratmetern mit Solarmodulen bedeckt, in Kiel gebaut.
Nicht nur der Spaß an der Reise treibt Domjan, er will auch Werbung für erneuerbare Energien speziell die Photovoltaik machen. In zwei Jahren bekommt er Unterstützung, dann soll das erste Solarflugzeug in fünf Etappen den Erdball umrunden.
Der Transportsektor ist einer der drei Bereiche, in denen sich die EU-Mitgliedstaaten verpflichtet haben, auf erneuerbare Energien zu setzen – bisher jedoch weniger über Solarantriebe, sondern vielmehr über Bio-Kraftstoffe. Bis 2020 soll der EU-weite Anteil der alternativen Energien am Endenergieverbrauch in den Bereichen, Strom, Wärme/Kälte und Mobilität auf 20 Prozent steigen. Die Bundesregierung will ihren Beitrag vor allem durch ambitionierte Ziele im Stromsektor erfüllen. Hier sollen bis 2020 mindestens 30 Prozent des Verbrauchs aus regenerativen Quellen gewonnen werden. Zurzeit sind es 16,1 Prozent.
Sonnenenergie noch unbedeutend
Wind spielt dabei die Hauptrolle, Sonnenenergie ist mit einem Anteil am regenerativen Mix von 6,6 Prozent – das entspricht rund einem Prozent am gesamten Stromverbrauch – noch relativ unbedeutend, wächst aber mit großen Schritten. 2006 waren in Deutschland, dem unangefochtenen Solarweltmeister, gerade einmal Photovoltaikanlagen mit einer Spitzenleistung von knapp 3 Gigawatt installiert. Ende 2009 waren es schon 10 Gigawatt. Bis 2014 rechnet der europäische Solarverband EPIA mit 29 bis 35 Gigawatt in Deutschland. Auch weltweit legt die Solarenergie zu. 2009 wurden 7,2 Gigawatt zugebaut, für 2014 sieht EPIA den jährlichen Zuwachs bei 30 Gigawatt – vorausgesetzt die Staaten unterstützen aktiv die Entwicklung von erneuerbaren Energien.
Vorbild der staatlichen Förderung ist das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das unter anderem der Solarbranche eine Konjunktur sondergleichen beschert und Deutschland an die Weltspitze im Bereich Solar katapultiert hat. Mittlerweile orientieren sich mehr als 40 Länder am EEG und haben es ihren nationalen Vorstellungen angepasst. Stromkonzerne müssen demnach Strom aus erneuerbaren Energien vorrangig abnehmen und dafür einen Mindestpreis – den Einspeisetarif – zahlen. Die Förderung wird also nicht aus Steuermitteln getragen, sondern vom Endverbraucher – eine kurzfristige Streichung aufgrund klammer Staatshaushalte ist daher nicht zu befürchten.
Hervorragende Kalkulationsgrundlage
Das Charmante: Der einmalig festlegte Tarif gilt für einen langen Zeitraum, in Deutschland für 20 Jahre, und bietet somit eine hervorragende Kalkulationsgrundlage für geschlossene Fonds. Gerade in Krisenzeiten liefert diese gesetzliche Vergütungssicherheit ein schlagendes Argument im Vertrieb. Hinzu kommt die vollständige Unabhängigkeit von den Aktienmärkten. Kein Wunder, dass sich Energiefonds – allen voran Solarfonds – im vergangenen Jahr zum Anlegerliebling mauserten. Mehr als eine halbe Milliarde Euro platzierten die Emissionshäuser beim Anleger, 150 Prozent mehr als 2008. Auch 2010 hält das Angebot an Solarfonds an, immer mehr Initiatoren – sowohl neue als auch renommierte Häuser – wechseln auf die Sonnenseite.
Was für Solarenergie spricht
„Neben der fixen Vergütung sprechen zwei Gründe für die Solarenergie: Es ist – im Gegensatz zur Windkraft – eine sehr einfache Technik, zudem ist Sonne kostenlos und unendlich verfügbar“, so Peter Heidecker, Geschäftsführer vom Emissionshaus Chorus Cleantech. „Solarfonds mit großen Freiflächenanlagen verfügen über eine seit Jahren erprobte Technik. Sie ist wenig störanfällig, da es kaum bewegliche Teile gibt“, stimmt Andreas Köhler, Leitung Strukturierte Produkte bei der Commerz Real Fonds Beteiligungsgesellschaft (CFB), zu.
Und tatsächlich gibt es Sonnenenergie im Überfluss: Die Sonne liefert in einer Stunde mehr Energie, als weltweit pro Jahr verbraucht wird. Hohe Kosten haben jedoch bisher den endgültigen Durchbruch der Photovoltaik, der Umwandlung von Sonnenenergie zu Strom, verhindert. Doch die Kosten sinken und die Technik wird effizienter. Seit 2006 sind Solarstromanlagen um 40 Prozent billiger geworden, vor allem 2009 fielen die Preise rasant.
So rasant, dass der Gesetzgeber Handlungsbedarf sah. Der Einspeisetarif sinkt ohnehin Jahr für Jahr für die jeweils neu in Betrieb genommenen Anlagen. Für 2010 hat die Regierung beschlossen, die Vergütung zusätzlich zu kürzen. Eigentlich sollten die Sätze für neue Anlagen ab 1. Juli um 11 bis 16 Prozent sinken und neue Anlagen auf Ackerflächen gar nicht mehr gefördert werden. Der Bundesrat hat jedoch den Vermittlungsschuss angerufen. Der wollte sich auf die Schnelle nicht einigen, so dass bei Redaktionsschluss die genaue Höhe der Kürzungen und der Startzeitpunkt noch nicht festlagen.
Deutschland-Fonds – ja oder nein?
„Es wird auch weiterhin attraktive Investitionsmöglichen für Anleger geben, die in Solarkraftwerke an deutschen Standorten möchten“, ist Köhler überzeugt. „Werden tatsächlich die Fördersätze für Solaranlagen auf Ackerflächen abgeschafft, wird sich der Fokus hin zu Konversionsflächen wie stillgelegte Flughäfen, Truppenübungsplätze oder Mülldeponien verlagern.“
Chorus-Chef Heidecker hingegen glaubt, dass die gute Zeit für Solarfonds mit Anlagen in Deutschland bald vorbei sein werde. Mit einer gesunkenen Vergütung ließen sich die bisherigen Renditen nicht mehr darstellen. Der Initiator hat noch einen Deutschland-Fonds in petto, der jetzt an den Markt geht. „Der Chorus CleanTech Solar 4 wird einer der wenigen sein, die noch ein Renditeziel von 7 Prozent und mehr bieten“, so Heidecker.
Ein Aus in Deutschland bedeutet jedoch noch lange kein Aus für Solarfonds. Initiatoren nutzen schon jetzt die Vergütungssätze und insbesondere die höhere Strahlkraft der Sonne südlich von Deutschland. Italien, Spanien und Frankreich sind die klassischen Investitionsmärkte ohne Währungsrisiko. Aber auch Länder im Osten wie Tschechien, Ungarn oder die Slowakei haben sie im Visier.
Solarfonds sind keine Bundeswertpapiere
Trotz der gesetzlich geregelten Vergütungen und der relativ einfachen Technik sind Solarfonds keine Selbstgänger und sollten nicht als Bundeswertpapiere verkauft werden. Sie bleiben eine unternehmerische Beteiligung. „Die Investition in ein Solarkraftwerk ist immer langfristig. Daher kommt es entscheidend auf die verbauten Komponenten sowie die Kompetenz des Projektentwicklers an“, sagt Köhler. Die Module aber auch die Wechselrichter, die den produzierten Gleichstrom in den erforderlichen Wechselstrom wandeln, sollten von namhaften Herstellern sein, die schon lange erfolgreich am Markt sind und auch in Zukunft eventuelle Gewährleistungsansprüche erfüllen.
Müller: „Projektrisiken können Initiatoren reduzieren, indem sie nur vollständig oder weitgehend durch den Projektentwickler vorangetriebene Parks aufnehmen.“ Das sieht Heidecker ebenso. Vor allem in Italien, wo Chorus neben Deutschland investiert, gibt es langwierige und intransparente Genehmigungsverfahren. „Solche Risiken müssen komplett aus den Fonds rausgehalten werden“, so Heidecker. Er bevorzugt zudem Fonds mit Anlagen an mehreren Standorten: „Mit einem Portfolio ist man immer besser diversifiziert.“ Allerdings sollte pro Standort in mindestens ein Megawatt Leistung investiert werden, sonst sei die Verwaltung zu kleinteilig.
Als weiteres Risiko sieht Heidecker höchstens die Energiequelle selbst. Auch wenn die Sonnenstrahlung weniger schwankt als das Windaufkommen, müssen die Einstrahlungswerte stimmen, sonst helfen auch gesetzliche Versprechen nichts. Nur eingespeister Strom wird bezahlt.
Scheint die Sonne jedoch, kann der Anleger sich nicht nur über regelmäßige Zahlungen freuen. „Er reduziert mit seinem Investment auch die Kohlendioxid-Emissionen“, sagt Köhler. So hat laut Umweltbundesamt der Einsatz von Photovoltaik immerhin den Ausstoß 3,9 Millionen Tonnen Treibhausgas vermieden.
Autor: Sabine Groth

