Gibt es noch attraktive Solarfonds?
Veröffentlicht am 15. Sep, 2010 von CTM-Redaktion in Interviews, Investments
Das Cleantech Magazin fragte Peter Käsberger, Geschäftsführer des Emissionshauses Trend Capital Neue Energien.
Cleantech Magazin: Worauf sollten Investoren bei Solarfonds achten, die jetzt auf den Markt kommen?
Peter Käsberger: Investoren, die in Solarfonds investieren, möchten in erster Linie Ruhe in ihrem nachhaltigen Investment. Sie möchten keine bösen Überraschungen erleben. Es gilt daher besonders darauf zu achten, dass die Rahmenbedingungen und die prognostizierte Rendite nachvollziehbar sind und letztere auch wirklich erreicht werden kann.
CTM: Wo ist das noch der Fall? Welche Länder bieten aktuell die besten Voraussetzungen für Solarfonds?
Käsberger: Italien bietet aktuell noch gute Voraussetzungen. Aber auch hier wird es sicher ab 2011 zu Anpassungen bei der Solarstromvergütung geben. Durch die wesentlich höheren Stromerträge wird dies aber nicht so durchschlagen wie die neue Gesetzesinitiative in Deutschland.
CTM: Wie wirkt sich die sinkende Einspeisevergütung für erneuerbare Energien auf Solarfonds aus?
Käsberger: In Deutschland wird sie sich dramatisch auswirken. Solarfonds sind am wirtschaftlichsten, wenn sie größere Solarkraftwerke zum Inhalt haben. Diese benötigen einen zeitlichen Planungsvorlauf. Durch die mitten in diesem Jahr drastisch sinkende Einspeisevergütung ist die notwendige Sicherheit bei der Planung gestört. Banken werden keine größeren Projekte finanzieren, bei denen keine Sicherheit zum Thema Stromerlöse gegeben ist. Bisher wurden Gesetzesanpassungen beim Erneuerbare-Energien-Gesetz immer zum 1.1. des folgenden Jahres erlassen. Die neue Regierung bricht mit dieser sinnvollen Tradition.
CTM: Immerhin soll die Förderung jetzt doch erst zum 01. Juli dieses Jahres gekappt werden. Aber ist es überhaupt machbar, jetzt noch schnell bis zur nächsten Senkung einen Solarfonds zu organisieren?
Käsberger: Aus unserer Sicht ist dies nicht möglich. Das wäre sonst ein Fonds, der von Beginn an mit seinen Annahmen spekulieren würde, und das widerspricht der Ausrichtung der Asset-Klasse Solarfonds. Größere Solarkraftwerke benötigen mehrere Monate Bauzeit. Die Lieferzeiten für große Wechselrichter liegen aktuell schon bei Juli 2010. Die Inbetriebnahmen sind nicht zu schaffen.
CTM: Kann man da nicht ein bisschen tricksen?
Käsberger: Einige Firmen werden sicher versuchen mit allen Tricks ihre Solarkraftwerke als in Betrieb gegangen zu melden. Ich denke, Firmen, die aktuell noch in Deutschland geplant hatten, werden sofort auf das südliche Ausland umschwenken, um dort unter besseren Bedingungen zu entwickeln.

