Fit for Sun

Fit for Sun

Veröffentlicht am 15. Sep, 2010 von CTM-Redaktion in Allgemein, Investments

Reiseziele für Sonnenanbieter. Viel Sonne und attraktive Fördersätze ziehen immer mehr Emissionshäuser nach Italien, Spanien und Frankreich. Wo sich der Betrieb von Solaranlagen am meisten lohnt

Lange war Castilla-La Mancha für seine Windmühlen bekannt. Schon vor über 400 Jahren kämpfte Don Quijote in dem spanischen Landstrich gegen die „Riesen“. Heute hätte der furchtlose Junker ganz andere Gegner. Meterhohe, aufgeständerte Platten, die nicht den Wind, sondern die Sonne einfangen. In die Region südlich von Madrid ist die Photovoltaik eingezogen, dort befindet sich auch der weltgrößte Solarpark. In den Hügeln rund um das Dörfchen Olmedilla de Alarcón reihen sich über 160.000 Solarmodule mit einer Nennleistung von 60 Megawatt. Sie erzeugen genügend Strom für rund 40.000 Haushalte.

Der Park in Olmedilla de Alarcón wurde 2008 errichtet, im spanischen Solarjahr. Vor zwei Jahren löste Spanien Deutschland kurzfristig als Zubauweltmeister von Photovoltaikanlagen ab. 2.600 Megawatt wurden in Spanien installiert, mehr als drei Viertel der insgesamt in Spanien vorhandenen Photovoltaikanlagen.
Auch die deutschen Emissionshäuser erkannten, dass sich Spaniens Sonne nicht nur für Urlaubsfreuden nutzen lässt. Mittlerweile herrscht jedoch wieder Zurückhaltung. „Die Einstrahlungswerte sind zwar sehr gut, aber die derzeit unsichere Gesetzgebung schränkt den spanischen Markt ein“, sagt Rolf-Dieter Müller, Geschäftsführer der Commerz Real Fonds Beteiligungsgesellschaft (CFB).

Spanien zu unsicher
Schon 2008 verkündete die spanische Regierung sehr kurzfristig neue Regeln und brachte damit einige Investoren, darunter auch einen MPC-Fonds, ins Schwitzen. Der Hamburger Initiator brachte seine Anlagen jedoch noch rechtzeitig ins Register. Für alle Anlagen, die ihre Eintragung ins Register der Stromproduzenten (REPE definitiva) erst nach dem 28. September 2008 erhalten haben, gilt das Real Decreto 1578/2008 mit rund 20 Prozent niedrigeren Fördersätzen. Die Höhe der Einspeisevergütung wird wie beim Vorgängermodell einmal festgelegt und wird für 25 Jahre gezahlt. Der jeweils gültige Satz hängt vom Zeitpunkt der Inbetriebnahme, aber auch dem bereits erfolgten Zubau ab. Zurzeit gibt es rund 28 Cent pro Kilowattstunde für Freiflächenanlagen.

Doch die Förderung soll weiter sinken. Zwischenzeitlich war gar von rückwirkenden Kürzungen für bereits laufende Anlagen die Rede – damit wäre der langfristigen Planungssicherheit, dem Hauptargument für Solarfonds, die Grundlage geraubt. Davon sind die Spanier wohl wieder abgerückt. „Angestrebt wird zurzeit statt einer pauschalen Kürzung der Fördersätze, die Menge an förderfähigem eingespeisten Strom zu reduzieren“, sagt Martin Führlein von Rödl & Partner. Endgültiges wird aber erst das Gesetz regeln, das im September kommen soll.

Deutschland bleibt Solarweltmeister
Die deutsche Regierung hat ihr Gesetz bereits durch. Nach einigem politischen Hin und Her sinken die Sätze zunächst für Dachanlagen, die seit dem 1. Juli 2010 ans Netz gehen, um 13 Prozent, für Freiflächenanlagen um 12 Prozent, stehen sie auf ehemalig industriell oder militärisch genutzten Flächen nur um 8 Prozent. Neue Anlagen auf Ackerflächen werden gar nicht mehr unterstützt. Für Anlagen, die erst ab Oktober Strom einspeisen, sinken die Sätze nochmals um 3 Prozent. Für Anlagen, die ab 2011 auf den Markt kommen, gibt es dann noch weniger, die Höhe richtet sich nach dem Gesamtzubau in Deutschland.

Der europäische Photovoltaik-Verband EPIA erwartet, dass die Kürzungen, den deutschen Markt zwar etwas schwächen, Deutschland wird seine Stellung als Solarweltmeister aber weiter verteidigen. Über 10 Gigawatt sind hier installiert – so viel wie sonst nirgends auf der Welt. Vor allem seit 2008 fließt über geschlossene Fonds Eigenkapital in den Markt. Trotz vergleichsweise niedriger Einstrahlungswerte, rechnen sich die Projekte dank der Kombination aus hohen Fördersätzen, moderater Anlagenpreise und hohem Kreditanteil.

Die Ankündigung der außerplanmäßigen Förderkürzungen im vergangenen Herbst hat nochmal einen regelrechten Boom ausgelöst. Auch jetzt ist noch eine Reihe von Fonds mit „Altanlagen“ im Angebot. Einige nutzen die Übergangsregelung: „Freiflächenanlagen, für die bereits vor dem 25. März 2010 ein beschlossener Bebauungsplan vorlag, können zu den alten Sätzen bis Jahresende ans Netz gehen“, so Peter Heidecker, Geschäftsführer von Chorus Cleantech, der neben einem Italien-Fonds einen Deutschland-Fonds mit alten Vergütungssätzen an dem Markt bringt.

Während CFB-Chef Müller auch künftig Solarfonds mit deutschen Standorten anbieten will, sieht Chorus-Geschäftsführer Heidecker hier nicht mehr ausreichende Renditechancen. Auch Thomas Ritter, Geschäftsführer der Energiehandlung, ist skeptisch: „Deutschland ist im Prinzip ein gesunder Standort, jedoch fehlt es in Gebieten mit interessanten Einstrahlungswerten an bezahlbarer Freifläche.“ Außerdem erwartet er angesichts der hohen Bevölkerungskonzentration in Deutschland zunehmend ein Akzeptanzproblem für zusammenhängende Freiflächenanlagen. „Wir halten Deutschland eher für einen Windstandort und Südeuropa prädestiniert für Solaranlagen“, so Ritter.

Lieber nach Italien…
Da überrascht es auch nicht, dass die Schwestergesellschaft der Seehandlung bei ihrem ersten Solarfonds auf Anlagen in Italien setzt. „Einer der Hauptvorteile besteht darin, dass Italien im südlichen Teil über außerordentlich hohe Sonneneinstrahlung verfügt, was insbesondere für langfristig von Subventionen unabhängige Überlegungen von ausschlaggebender Bedeutung ist“, sagt Ritter. Die Einstrahlungswerte liegen dort wie auch in Spanien und in der französischen Mittelmeerregion bei 1.600 bis 1.900 Kilowattstunden pro Quadratmeter. In Deutschland liegt der Wert bei rund 1.000.

„Hinzu kommt ein äußerst attraktives Einspeisegesetz. Neben der festen Vergütung erhalten die Fonds den Marktpreis für den produzierten Strom“, so Heidecker. „Das sind zurzeit 34,57 Cent pro Kilowattstunde plus den Marktpreis von rund 8 bis 9 Cent. Die Anleger profitieren so direkt von steigenden Strompreisen.“

Weniger einladend sind die Genehmigungsverfahren in Italien, zu lang, zu undurchsichtig. In Apulien, beliebter Standort von deutschen Fondsinvestoren, reichte bisher für Anlagen bis zu einem Megawatt eine einfache Baubeginnanzeige, die DIA, während im Rest Italiens die aufwändigere Autorizzazione Unica (AU) erforderlich ist. Das italienische Verfassungsgericht erklärte jüngst Apuliens Alleingang für unrechtmäßig. „Wie sich dieses Urteil auf Anlagen auswirkt, die bereits per DIA genehmigt sind, muss von Fall zu Fall entschieden werden. Maßgeblich ist dabei der Umsetzungsstand des jeweiligen Projektes“, sagt Rechtsanwalt Führlein. Kurios wird die Sache durch ein neues Gesetz, das eine EU-Richtlinie zur Vereinfachung von Genehmigungsverfahren umsetzt: Die gerade abgeschaffte Apulien-Regelung gilt bald für ganz Italien.

… und Frankreich
Vierter Standort für Solarfonds neben Deutschland, Spanien und Italien ist seit kurzem Frankreich. „Es ist für uns außerhalb Deutschlands der interessanteste Markt. Dort gibt es eine attraktive, gesetzlich gesicherte Einspeisevergütung, eine hohe Sonneneinstrahlung und vor allem bislang nur geringe Aktivitäten im Photovoltaik-Markt. Das ändert sich gerade“, sagt Müller. In Frankreich waren Ende 2009 gerade einmal 272 Megawatt installiert, bis 2012 sollen es nach Wunsch der Regierung 1.100 Megawatt sein, 5.400 Megawatt bis 2020. Die Sätze für Anlagen, die bis Ende 2012 ans Netz gehen, liegen bereits fest, erst dann wird für neue Anlage reduziert. Die unterschiedlich regionale Sonneneinstrahlung soll durch unterschiedliche Tarife ausgeglichen werden. So gibt es für Freiflächenanlagen von 31,4 Cent pro Kilowattstunde an der Cote d‘Azur bis zu 37,7 Cent im nördlichen, sonnenärmeren Frankreich.

In den kommenden Jahren wird die Solarreise Emissionshäuser und ihre Anleger wohl auch in weitere Länder führen. Das gesetzlich geregelte Einspeisegesetz ist in Europa weit verbreitet, vor allem Osteuropa steht im Fokus, Griechenland ist zurzeit aufgrund seiner wirtschaftlichen Probleme weniger beliebt. „Auch Länder wie Tschechien und Ungarn haben attraktive Einstrahlungswerte.

Vorsicht Währungsrisiko
Allerdings besteht hier ein Währungsrisiko. Ein Hedging der erwarteten Einspeiseerlöse wäre sehr teuer“, so Müller. „Wechselkursrisiken passen nicht zum Grundkonzept der hohen Planungssicherheit von Solarfonds“, stimmt Ritter zu.

Viele Emissionshäuser mit Solarfonds werfen einen Bick über den großen Teich. Mit zunehmender Effizienz der Technik und steigendem Strompreis wird der amerikanische Markt auch für deutsche Investoren immer interessanter. Die Einstrahlungswerte vor allem im Südwesten der USA sind noch einmal höher als in Südeuropa und Platz ist ausreichend vorhanden.

Autor: Sabine Groth

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