Gelsenwasser: Der effizienteste Wasserversorger der Welt
Veröffentlicht am 15. Jun, 2010 von CTM-Redaktion in Investments, Technologien
Gelsenwasser ist einer der Vorreiter in Sachen effizienter Wasserversogung. Wie nachhaltig ist das Unternehmen?
Dreimal der gesamte Bodensee – soviel Wasser wird in Deutschland pro Jahr verbraucht, insgesamt 159,5 Milliarden Kubikmeter. Pro Kopf und Tag gerechnet sind das rund 5.200 Liter Wasser oder 25 Badewannen, inklusive des virtuellen Wassers. Während der Trinkwasserkonsum der privaten Haushalte in Deutschland seit Jahren zurückgeht, ist der Verbrauch an virtuellem Wasser nach wie vor hoch. Eine Schlüsselrolle bei der Weiterentwicklung eines nachhaltigen und effizienten Wassermanagements nehmen die Wasserversorger ein.
In Deutschland sticht als positives Beispiel für ein nachhaltig ausgerichtetes Unternehmen die Gelsenwasser AG heraus. Aus dem ehemals nur regional tätigen Gelsenkirchener Wasserversorger hat sich eines der größten Trinkwasserversorger Deutschlands entwickelt. Mittlerweile ist der Dienstleister für Wasser, Abwasser und Energie auch europaweit aktiv, mit Beteiligungen in Frankreich, Tschechien und Polen. Die Trinkwasserversorgung ist das Kerngeschäft. 230 Millionen Kubikmeter Wasser liefert das Unternehmen jährlich an Haushalte, Versorgungsunternehmen und Industrie, rund 2,7 Millionen Bürger werden mit Trinkwasser versorgt.
Gelsenwasser ist einer der Vorreiter in Sachen effizienter Wasserversorgung. Doch wie nachhaltig ist das Unternehmen insgesamt? Um dies zu prüfen, bietet sich der sogenannte ESG-Ansatz an, nach dem die Ratingagentur Sustainalytics die Nachhaltigkeitsleistungen von börsennotierten Unternehmen weltweit analysiert. Hierbei werden innerhalb der Themengebiete Umwelt (Environment), Gesellschaft und Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance) allgemeingültige und branchenspezifische Nachhaltigkeitskriterien untersucht: von sozialen Mindeststandards bei der Zulieferkette, Transparenz der Unternehmensführung bis hin zu CO2-Emissionen oder Entwicklung umweltfreundlicher Produkte und Dienstleistungen.
Das Ergebnis: Gelsenwasser st auf einem guten Weg, seine Aktivitäten nachhaltig auszurichten. Allerdings besteht in einigen Bereichen Nachholbedarf – etwa bei der Unternehmensführung. Zwar legt Gelsenwasser die Bezüge des Vorstandes und des Aufsichtsrats offen, auch finden sich Nachhaltigkeitsthemen auf der Agenda der Chefetage, jedoch gibt es beispielsweise keine Informationen über Maßnahmen zur Korruptionsvermeidung. Mehr Transparenz und weitere Anstrengungen sind hier erstrebenswert.
Auf Nachfrage von Sustainalytics hat Gelsenwasser zwar Richtlinien zu Mitarbeiterrechten, Diversity und weiteren sozialen Themen veröffentlicht, jedoch bislang nur intern. Eine öffentliche Berichterstattung ist aber bei vielen Unternehmen mit vergleichbarer Größenordnung zu finden. In Hinblick auf andere soziale Nachhaltigkeitsindikatoren ist die Berichterstattung indes transparenter: So zeigt sich die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung in der geringen Fluktuation der Mitarbeiter und im gesellschaftlichen Engagement. Vor allem das Generationenprojekt, mit dem Gelsenwasser ein gegenseitiges Verständnis von alten und jungen Menschen fördern möchte, sticht hier heraus.
Im Gegensatz zu der ausbaufähigen Berichterstattung in den ESG-Feldern Governance und Social überzeugt die Umweltleistung des Unternehmens. Die Grundlage der positiven Umweltbilanz bildet das nach EMAS und ISO 14001 zertifizierte Umweltmanagement-System. Dieses umfasst die regelmäßige Bilanzierung der ökologischen Effekte sämtlicher Unternehmensaktivitäten. So sammelt der Wasserversorger an all seinen Standorten detaillierte Kennzahlen zu Energieverbrauch, Abfallmengen, Emissionen und verwendeten Rohstoffen. Gelsenwasser berichtet bereits seit 1993 – lange vor vielen anderen deutschen Unternehmen – umfassend und transparent über Umweltthemen.
In der „Umwelterklärung 2009“ werden konkrete Ziele und Maßnahmen zur Reduzierung negativer ökologischer Effekte formuliert. Die Zielsetzungen sind ambitioniert: So will Gelsenwasser den Energieverbrauch bei der Wasserverteilung um 10 Prozent auf der Basis von 2006 senken. Und auch bei der Abwasseraufbereitung besteht großes Energiesparpotenzial. Für eine kontinuierliche Optimierung der Kläranlagen arbeitet Gelsenwasser mit verschiedenen wissenschaftlichen Institutionen zusammen, darunter der Fachhochschule Köln.
Mit dem technologischen Know-how soll langfristig das Ziel einer energieautarken Kläranlage erreicht werden. Durch die Nutzung von erneuerbaren Energien wie Photovoltaik, Geothermie oder den Betrieb einer Holzhackschnitzelheizung sollen zudem 189 Tonnen CO2 pro Jahr gespart werden. Außerdem hat Gelsenwasser die Betriebsweise seiner Werke so umgestellt, dass sich der Einsatz von Aufbereitungschemikalien wie Flockungsmittel, Chemikalien zur Desinfektion und Natronlauge nun deutlich senken lässt.
Autor: Arne Philipp Klug, Nachhaltigkeitsanalyst von Sustainalytics

