Geohumus: Die Bodenoffensive
Veröffentlicht am 15. Jun, 2010 von CTM-Redaktion in Investments, Technologien
Wulf Bentlage und Holger Behrens wollen dabei helfen, weltweit Wasser zu sparen. Geohumus ist ein Granulat, dass Wasser im Boden speichert. Nicht nur Garten und Balkon auch Wüsten könnten damit begrünt werden.
Rosenkönigin Jeanette Griese aus dem westfälischen Spenge schwört auf die braunen Krümel: „Mit Geohumus spare ich Zeit, Geld und Wasser. Aber das Wichtigste ist: Meine Pflanzen sind gesünder, haben kräftigere Blüten, sind besser durchwurzelt und leben länger.“
Garten- und Balkonfreunde können endlich auch im Hochsommer beruhigt in den Kurzurlaub fahren, ohne dass zu Hause die Geranien vertrocknen. Geohumus kann das 40-fache seines Eigengewichtes an Wasser speichern. Das Granulat saugt das Gießwasser auf wie ein Schwamm und speichert es bis zu 30 Tage. Es entsteht keine Staunässe und die Pflanzen nehmen nur so viel Feuchtigkeit und Wirkstoffe auf, wie sie benötigen. Während der Wasseraufnahme quellen die Krümel auf, beim Trockenen schrumpfen sie wieder – ein zusätzlicher Vorteil: Die Erde wird gelockert und die Bodenbelüftung gefördert.
Erfunden haben das Ganze Dr. Reinmar Peppmöller und Gerhard Fabritz aus Krefeld. Peppmöller war dabei für die Chemie zuständig. Sieben Jahre hat er gebraucht, um die richtige Mischung aus gemahlenem Lavagestein, Silikaten und so genannten Superabsorbern zu finden, deren Partikel sich nicht wieder voneinander lösen, das gespeicherte Wasser aber wieder abgeben können. Es funktioniert ähnlich wie bei einer Windel: Kern ist ein Hydrogel, das Peppmöller erfunden hat. Es saugt die Flüssigkeit auf. Nur anders als bei Windeln kann die Flüssigkeit eben auch wieder heraus.
Dem gelernten Mediziner Wulf Bentlage war der Nutzen sofort klar, als er von dem Geistesblitz in der fernen Verwandtschaft hörte. 2005 gründete er darum zusammen mit Peppmöller und Fabritz die Firma Geohumus und übernahm die Vermarktung. „Die Entdeckung hat mich sofort überzeugt. Ich hatte mit meinem Branchenbuchverlag Geld verdient und investierte es in den Aufbau der Firma“, so Bentlage.
Ein Türöffner war der Gewinn des Deutschen Gründerpreises im Jahr 2006. Bentlage durfte das Granulat sogar beim G8-Gipfel in Heiligendamm vorstellen. Und der hessische Ministerpräsident Roland Koch führte ihn beim saudischen König ein. Eine Anlage zur Produktion von 100.000 Tonnen Geohumus wollten die Scheichs. „Um ihnen zu beweisen, dass Geohumus umweltverträglich ist, habe ich sogar ein paar Krümel davon gegessen“, erzählt Geohumus-Geschäftsführer Holger Behrens. Er kam 2007 zur Firma. Gebracht hat es damals leider nichts, das Geschäft verlief im Sande. Doch verloren ist es nicht. Behrens: „Das Problem ist, kaum jemand will dafür bezahlen, zumindest jetzt noch nicht. Alle wollen erst einmal Tests und zwar über mindestens drei Jahre.“
Bald kann es darum losgehen. Denn Tests laufen bereits in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Ägypten – jetzt im dritten Jahr – und mit guten Ergebnissen. Auf einer Mangoplantage beispielsweise half Geohumus 40 Prozent Wasser einzusparen. Die Bäume wuchsen üppiger und trugen mehr Früchte.
Und Kontakte gibt es genug: Einen Stapel arabischer Visitenkarten haben Bentlage und Behrends schon: „Wir haben viele einflussreiche Leute kennengelernt, darunter eine ganze Reihe Milliardäre und Prinzen“, so Bentlage. Aber auch Hierzulande läuft das Geschäft an: Zu den Abnehmern zählen das Bundeskanzleramt und der Getränkehersteller Bionade, der mit Geohumus seine Holunderbäume wachsen lässt. Auch Baumärkte und Gartencenter führen Geohumus.
Foto: Geohumus

