Smart Grid: „Das dauert noch mindestens fünf Jahre“
Veröffentlicht am 10. Apr, 2010 von CTM-Redaktion in Interviews, Interviews, Investments, Technologien
Ohne ein modernes Stromnetz ist eine effizientere und grünere Energieversorgung nicht möglich. Das intelligente Stromnetz, neudeutsch Smart Grid, lässt Stromkabel zu Quasselstrippen werden. Das Cleantech Magazin fragte Markus Duscha vom Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung, wie das funktioniert.
Cleantech Magazin: Herr Duscha, seit Januar dieses Jahres müssen in Neubauten und bei Sanierungen intelligente Strom- und Gaszähler installiert werden. Was ist an ihnen so intelligent?
Markus Duscha: Die Smart Meter machen den Stromverbrauch in Echtzeit sichtbar. Der Stromanbieter bekommt eine Rückmeldung vom Zähler und kann die Auslastung seines Netzes optimieren. Im Gegenzug könnte der Versorger beispielsweise mitteilen, wann besonders viel erneuerbare Energie zur Verfügung steht und dann über den Stromzähler den Wäschetrockner in Gang setzen oder die Batterie des Elektroautos aufladen. Oder aber Kühlgerate ausschalten, wenn Windflaute ist.
CTM: Und das lohnt sich?
Duscha: Ja, die Umwelt profitiert, weil durch die präzisere Abstimmung der Versorgungsnetze ein höherer Anteil an erneuerbarer Energie eingespeist und verkraftet werden kann. Für Strom- und IT-Konzerne entstehen neue, lukrative Geschäftsfelder. Und der Verbraucher spart durch effizientere Energienutzung Geld.
CTM: Bevor das Strom- zum Datennetz wird, muss allerdings noch ordentlich investiert werden. Laut Greenpeace kostet dieses gigantische Infrastrukturpaket bis 2050 rund 209 Milliarden Euro. Die jährlichen Kosten für Deutschland beziffert Greenpeace auf eine Milliarde Euro. Wo soll das Geld herkommen?
Duscha: Ohne politische Unterstützung geht es nicht. Die Regierung muss nicht nur für eine Standardisierung sorgen, sondern auch für Finanzierungsmöglichkeiten. Aktuell kann man die Kosten aber noch gar nicht richtig abschätzen.
CTM: Was muss passieren, damit das schlaue Stromnetz von der Mehrheit der Verbraucher akzeptiert wird?
Duscha: Strom ist ein so genanntes Low-Interest-Produkt, solange die Energiepreise nicht enorm ansteigen. Er muss da sein und ich will mich nicht immer wieder darum kümmern. Das heißt: Wenn ich 40 bis 80 Euro pro Jahr sparen kann, muss das sehr einfach sein. Hier ist die Forschung gefragt.
CTM: Wie weit ist die Forschung und wie lange dauert es, bis das intelligente Stromnetz mit allem was dazu gehört in Deutschland marktreif ist?
Duscha: Noch mindestens fünf Jahre, auch wenn es einzelne Teilleistungen wie das Smart Metering schon heute gibt. Aber das komplette System, mit dem sich Verbraucher dann per Computer einen neuen Stromanbieter aussuchen können, das dauert noch. Grundsätzlich gilt: Smart Grid muss wirtschaftlich sinnvoll sein, sonst macht es sowieso keinen Sinn.

