Energieeffizienz: Die Preisfrage

Energieeffizienz: Die Preisfrage

Veröffentlicht am 10. Apr, 2010 von CTM-Redaktion in Interviews, Interviews, Investments, Technologien

Was kostet Energieeffizienz? Zu viel, heißt es immer wieder von Baugesellschaften, Entwicklern und Investoren. Stimmt das eigentlich? Das Cleantech Magazin fragte Professor Thomas Lützkendorf, Inhaber des Lehrstuhls für Ökonomie und Ökologie des Wohnungsbaus am Karlsruhe Institute of Technology.

Cleantech Magazin: Herr Lützkendorf, 40 Prozent des Energiebedarfs entfallen in Deutschland auf Gebäude, der Großteil wird durch Heizen und Wassererwärmung verbraucht. Wie viel davon kann man mit einem energieoptimierten Gebäude sparen?
 
Thomas Lützkendorf: 50 bis 75 Prozent sind bei Wohnbauten und Bürogebäuden im Vergleich zu einem durchschnittlichen Gebäude möglich, wenn die technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten im Bereich Neubau und energetischer Modernisierung ausgeschöpft werden.
 
CTM: Ist das der Immobilienbranche nicht klar, oder warum werden nicht deutlich mehr energiesparende Häuser gebaut?
 
Lützkendorf: Wir bauen Häuser ja nicht nur zum Energiesparen, sondern haben zunächst ganz konkrete Anforderungen an unsere Wohn- und Bürogebäude: Vereinfacht gesagt, sollen die Gebäude funktional, sicher, behaglich und gestalterisch ansprechend sein. Nachgefragt werden wertstabile, leicht zu vermarktende beziehungsweise gut vermietbare Gebäude. Die energetische Qualität ist davon ein wichtiger Teilaspekt. Es geht um geringen Energieverbrauch bei hoher Behaglichkeit und Erfüllung sonstiger Anforderungen – also unter anderem um Energieeffizienz. Die Immobilienbranche hat dies erkannt.

CTM: Nun aber den Taschenrechner raus. Sind energieoptimierte Gebäude teurer als gewöhnliche Häuser?
 
Lützkendorf: Wir haben das für energieoptimierte Bürogebäude untersucht. Im besten Fall liegen die Mehrkosten bei null bis fünf Prozent. Und um auf Ihre vorherige Frage zurückzukommen: Die Mehrkosten werden von der Immobilienbranche zum Teil massiv überschätzt. Gleichzeitig werden die Energiesparmöglichkeiten noch immer deutlich unterschätzt.
 
CTM: Kann man da eine Hausnummer nennen. Wie weit liegt die Immobilienbranche daneben?
 
Lützkendorf: Die Branche rechnet häufig mit Mehrkosten von rund 30 Prozent.
 
CTM:
Und die Vorteile werden ignoriert?
 
Lützkendorf: Wie stark die Vorteile energieoptimierter Gebäude in der Breite des Marktes bereits bekannt sind, kann man nicht genau sagen. In Umfragen wird aber immer deutlicher, dass im Zusammenhang mit dem Thema Nachhaltigkeit bereits großer Wert auf Energieeffizienz gelegt wird. Neben niedrigeren Heizkosten sorgen diese Häuser ja beispielsweise auch für mehr Behaglichkeit. Außerdem sind sie besser zu vermieten und vermarkten, sie sind wertstabiler und haben eher das Potenzial, künftig ihren Wert zu steigern.
 
CTM: Der Großteil der Investmentgesellschaften scheint sich noch zu verschätzen. Für Privatanleger gibt es hier zu Lande noch keinen einzigen nachhaltigen offenen Immobilienfonds. 
 
Lützkendorf: In der Tat ist die Anlageklasse Immobilien im stetig wachsenden Markt für umwelt- und sozialverträgliche Investments noch fast unberücksichtigt. Das Marktpotenzial für nachhaltige Immobilieninvestments ist aber beachtlich. Zumal es nicht mehr lange dauern dürfte, bis der Aspekt der Nachhaltigkeit bei der Wertermittlung von Gebäude berücksichtigt werden kann. Bereits seit zwei Jahren wird an entsprechenden Ansätzen gearbeitet. Spätestens dann werden beispielsweise Häuser ohne eine ausreichende energetische Qualität Abschläge hinnehmen müssen und  für Baugesellschaften, Entwickler, Investoren und Anleger zu einem Risiko.
 
CTM: Und wie wohnen Sie – in einem Energiesparhaus oder noch ganz klassisch?
 
Lützkendorf: Ich wohne in einem unter meiner Mitwirkung energetisch modernisierten Mehrfamilienhaus, welches für die Umsetzung eines anspruchsvollen Energiekonzeptes ausgezeichnet wurde.

Tags: ,

No comments.

Hinterlasse einen Kommentar

Du musst eingeloggt sein um kommentieren zu können.