“Schloss Neuschwanstein wird kein Energiesparhaus“
Veröffentlicht am 10. Apr, 2010 von CTM-Redaktion in Interviews, Technologien
Sabine Binkenstein: Ja, ganz eindeutig. Die Energiepreise steigen. Und jeder, der bauen will, achtet inzwischen sehr bewusst auf energiesparende Maßnahmen. Die Häuser sollen flexibel sein von den Grundrissen her, kostengünstig und auch in der Unterhaltung finanzierbar. Auch nachhaltiges Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen nimmt an Bedeutung zu.
CTM: Was sind die Baustoffe der Zukunft?
Binkenstein: Grundsätzlich alles, was der Natur entspringt. Die Materialien sollten möglichst schon in der Produktion umweltschonend sein. Holz gewinnt immer mehr an Bedeutung und auch Schilf.
CTM: Die Holzhütte wird also salonfähig?
Binkenstein: Früher verband man mit einem Holzhaus eher die rustikale Wochenend-Laube. Inzwischen haben Holzhäuser aber einen genauso hohen Stellenwert wie Massivhäuser.
CTM: Was sollte man beim grünen Bauen beachten?
Binkenstein: Es ist ganz entscheidend, dass man schon bei der Planung des Hauses ökologische Kriterien mit einbezieht. Dass man beispielsweise darauf achtet, keine großen Wohnhallen mit viel ungenutztem Raum zu bauen, oder dass das Dach nach Süden ausgerichtet ist, um optimal Solarwärme erzeugen zu können.
CTM: Ist das grüne Haus für eine Durchschnittsfamilie überhaupt bezahlbar?
Binkenstein: Niedrigenergie- und Passivhäuser sind durchaus finanzierbar. Wichtig ist dabei, dass man beispielsweise eine kompakte Gebäudehülle hat und eine sinnvolle Anordnung der Fenster. Aus Schloss Neuschwanstein ist nur schwer ein Energiesparhaus zu machen.
CTM: Die sauberste Energie der Welt ist die, die gar nicht gebraucht wird. Lohnt sich energieeffizientes Bauen denn wirklich immer?
Binkenstein: Es lohnt sich, aber man kann nicht immer alles umsetzen, was man sich so vorstellt. Erdwärme beispielsweise ist derzeit sehr hipp. Habe ich aber kein adäquates Heizsystem oder ist der geologische Untergrund nicht dafür geeignet, dann ist es Quatsch, auf Geothermie zu setzen. Dann lohnt es sich nicht. Es ist eine Kosten- Nutzen-Rechnung: Man sollte so viel Energie sparen wie möglich, aber es muss praktisch auch durchführbar sein. Es macht keinen Sinn, sich ans Existenzminium zu bringen, nur um eine Solaranlage aufs Dach zu setzen.
CTM: Und wenn ich schon ein Haus habe, nun aber renovieren muss. Sollte ich die Renovierungsarbeiten mit
Energiesparmaßnahmen kombinieren?
Binkenstein: Ein klares Ja.
CTM: Wohnen Sie privat denn auch energiesparend?
Binkenstein: Nicht wirklich. Ich bewohne einen denkmalgeschützten Vierkanthof. Was möglich ist, habe ich natürlich auch in Richtung Energiesparen umgesetzt.

